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MICHAEL NEUDORFERS ROMAN-NEWSLETTER

Urlaubslektüre

Lieber Herr Neudorfer!

Jetzt hätte ich fast vergessen, Ihnen einen Brief zu schreiben! Nicht, dass ich mir einbildete, Sie würden ungeduldig auf unseren Newsletter warten, aber es ist doch schon wieder länger als vier Wochen her, seit Sie von uns gelesen haben. Und eine gewisse Regelmäßigkeit sollte ja doch sein…

Gerne erzähle ich Ihnen auch, was mich vom Schreiben abgehalten hat: Ich darf bei der heurigen Eigenproduktion des Theaters Meggenhofen mitspielen, und da waren die Probenwochen vor der Premiere doch sehr zeitaufwendig und intensiv. Mir ist zwar bloß eine kleine Rolle beschieden, doch auch die will geprobt sein. Zeitweise musste ich dafür gar nach Wien reisen, weil die erste Probenphase in Hernals stattfand. Warum? Weil fast das ganze Profi-Ensemble aus Wien stammt; erst Mitte Mai sind wir dann alle in den Kircheckerhof, auf unsere Bühne, übersiedelt.

Das Stück heißt „Spaltboden“ und stammt aus der Feder meines alten Freundes Fritz Egger. Er hat mir eine Rolle hineingeschrieben und ich konnte deshalb nicht anders, als die auch spielen zu wollen. Vielleicht hat Fritz das auch deshalb getan, weil ich vor gut zwanzig Jahren an der Wiege des Kindes gestanden bin, das nun zum Laufen gebracht wurde. Am Anfang stand die Idee, aus dem Thema einen Fernsehfilm zu machen. Fritz Egger hat das Drehbuch verfasst, und ich durfte meine Würfelspiel-Expertise beisteuern. Kernproblematik ist der Umstand, dass vor 400 Jahren beim paarweisen Würfeln um Leben und Tod ein Bauer überlebt hat; in der modernen Landwirtschaft ist die Überlebensquote bedeutend geringer.
Obwohl das Script sogar einen Preis bekam, wurde es nie verfilmt – warum auch immer. Als wir uns vor ein paar Jahren in Meggenhofen wieder über den Weg liefen, fragte ich Fritz, ob man aus dem Drehbuch nicht doch noch was machen könne. Nun, das Resultat können Sie sich jetzt getrost anschauen. Kritiker und Publikum haben die ersten Vorstellungen begeistert aufgenommen, und ich darf sagen, dass das Projekt wirklich gelungen ist: eine ausgewogene Mischung aus komödiantischer Unterhaltung und ernster, manchmal auch tragischer Zeitkritik – ein echtes Volksstück also, in bester österreichischer Tradition. Karl Farkas (wenn Sie den noch kennen) würde sagen: „Schauen Sie sich das an!“ Ein paar Restkarten für die elf Vorstellungen bis 11. Juli gibt es noch. Hier geht es zur Website. 

Besonders fein sind die Schmankerl im Meggenhofener Gastspiel-Programm: So liest etwa die geniale Maria Hofstätter am kommenden Donnerstag aus dem „Bauernroman“ von Max Maetz, einem fast in Vergessenheit geratenen oberösterreichischen Autor der Moderne. Ein deftiger, wuchtiger, saft- und kraftvoller Text, meisterhaft interpretiert und begleitet von den Klängen der „Salonisten“, die an diesem Abend Bruckner spielen (20 Uhr).

Wer es lieber ein bisschen prosaischer mag, fährt am Donnerstagabend nach Lambach, wo Florian Aigner seine Sachbücher vorstellt. Das jüngste heißt „Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl“ (19.30 Uhr, Kino).

Jetzt aber zu den Buchempfehlungen dieses Monats – verbunden mit der Bitte um wohlwollende Aufnahme. Wie üblich werden wir uns in den Sommermonaten Juli und August auf die Empfehlung von Urlaubslektüre konzentrieren. Zuvor gibt es noch eine lange Liste von nicht ganz so leichter, unbeschwerter, wenngleich nicht weniger unterhaltsamer Literatur. Bitte sehr! 
 
Habe ich Ihnen eigentlich schon gesagt, dass wir uns wahnsinnig über Ihren Besuch in der Buchhandlung freuen? Nein? Dann: Wir freuen uns wahnsinnig auf Sie!
 
In diesem Sinne sagen wir
„Auf Wiederlesen“,
Ihr Buchhändler Michael Neudorfer und sein Team

Die Liste der Lebenden

UNSER DERZEITIGES LIEBLINGSBUCH

Stefan Kutzenberger: Die Liste der Lebenden

Wir haben so eine Freude mit dem neuen Buch unseres Lieblings Stefan Kutzenberger. Und wir haben auch so eine Freude mit den hymnischen Besprechungen, die der sympathische Linzer dafür erntet.

„Die Liste der Lebenden“ ist ein fiktiver Briefroman, den eigentlich Henriette Wulff, eine Freundin von Hans Christian Andersen, verfasst. Sie liegt nackt auf einer im Ozean treibenden Holztür und ersinnt Briefe an ihren Lebensmenschen, den berühmten Märchendichter. Wie kam sie dahin? Nun, Henriette war an Bord des Ozeandampfers „Austria“, der auf dem Weg von Europa nach Amerika am 13. September 1858 Feuer fing und sank. Fakt: Das war eines der größten Schiffsunglücke des 19. Jahrhunderts. 450 Menschen kamen dabei ums Leben. Zurück zu Henriette und Andersen: Tauchen Sie ein in die Gedanken- und Seelenwelt dieser bemerkenswerten Frau, erfahren Sie ganz nebenbei allerhand Wissenswertes über ihre Zeit und spekulieren Sie mit uns darüber, ob Hans Christian Andersen tatsächlich so war, wie Henriette ihn schildert.

Ein Feuerwerk an Ideen, ein geistreiches, ganz besonderes Kleinod der Schreibkunst. Bravo, Stefan!

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Anna Silber: Wie die Hasen

WAS WIR IHNEN SONST NOCH ANS HERZ LEGEN

Anna Silber: Wie die Hasen

Mühlviertel im Februar 1945. Die Bauernfamilie Reisinger rettet einen sowjetischen KZ-Flüchtling vor der „Hasenjagd“. Wie sehr diese Tat eine Familie über Generationen hinweg prägt, welche Spuren sie im Gefüges dieses Bauernhofs hinterlassen hat, erzählt Anna Silber in diesem eindrucksvollen, ans Herz gehenden Roman. Ein wichtiges Buch.

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Der Horizont der Nacht

Gianfranco Carofiglio: Der Horizont der Nacht

Man könnte diesen Roman durchaus als Justizthriller bezeichnen, jedoch greift das zu kurz. Der Anwalt Guerrieri verteidigt vor Gericht eine Frau, die den Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester erschossen hat. Der Fall scheint klar auf der Hand zu liegen. Doch bei seinen nächtlichen Streifzügen durch Bari tappt Guerrieri in die Abgründe der menschlichen Seele, die den Sachverhalt in neuem Licht erscheinen lassen. Sehr, sehr spannend und beklemmend!

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Fußballbuch

Ronan Hession: Panenka

In diesen Tagen muss auch ein Fußballbuch mit auf unsere Liste. Zumal dieser Roman viel mehr ist als das. Wenn Sie mit dem Titel nichts anfangen können, so viel vorweg: Antonin Panenka hat 1976 Fußballgeschichte geschrieben, indem er seine Tschechoslowakei mit einem legendären Elfmetertor zum Europameister gemacht hat. Ein Elfmeter, wie ihn die Welt noch nie zuvor gesehen hatte: einfach in die Mitte des Tores geschupft, während der Tormann schon unterwegs in eine Ecke war. Der Ire Joseph, Hauptfigur dieses Romans, ahmt dieses freche Kunststück nach – und scheitert kläglich. Seitdem wird er von allen nur noch „Panenka“ genannt. Eine herzerwärmende Außenseiter-Geschichte mit viel irischem Flair – und Fußball spielt nur eine Nebenrolle.

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Die beste aller Beziehungen

Gun-Britt Sundström: Die beste aller Beziehungen

Martina und Gustav stecken in einer Beziehung, die von einem ständigen Wechsel zwischen Annäherung und Rückzug geprägt ist, und auch wenn sie sich dessen bewusst sind, wissen sie nicht, wie sie dem entkommen sollen. Immer wieder geht es dabei um grundlegende Fragen: Was bedeutet es, ein Paar zu sein? Welche Erwartungen darf man aneinander haben? Wie viel Nähe ist möglich, ohne die eigene Freiheit zu verlieren? Und vielleicht auch: Muss jede Beziehung überhaupt eine klare Form annehmen, oder darf sie im Unbestimmten bleiben? Dieser voluminöse Roman ist bereits vor 50 Jahren erschienen und war damals in Schweden ein Kultbuch. Heute liegt es in neuer Übersetzung vor – und ist zeitlos aktuell. Welche Beziehung man auch immer lebt – das Fundament ist die Liebe.

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Strahlen

Verena Stauffer: Strahlen

Im Mittelpunkt steht die Wiener Malerin Ava, die in einer Schaffenskrise steckt. Wir folgen ihr auf einer langen Reise und durch unterschiedliche Liaisonen – und finden uns mit Ava damit ab, dass es wohl keinen Ausweg gibt. Doch am Ende dieses Entwicklungsromans entsteht ein neues Gemälde, dessen Geheimnis der Roman schildert. Wie Verena Stauffer hier einen rasanten Reigen von einer Künstlerin in der Krise erzählt, ist aufregend, weil die Autorin keine Tabus scheut.

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Ich erzähle von meinen Beinen

Cornelia Travnicek: Ich erzähle von meinen Beinen

Humorvoll und erzählerisch originell widmet sich Cornelia Travnicek in diesem Buch brisanten gesellschaftspolitischen Themen: Muttersein als Spagat zwischen Selbstverwirklichung, Rollenerfüllung und Perfektionszwang. Und als würde das allein nicht schon ins Burnout führen, garniert sie diesen Parforce-Ritt noch mit einer Neurodivergenz-Diagnose. Wenn Sie jetzt meinen, der Roman sei so vollgestopft mit Problemen, dass er Depressionen auslösen kann, täuschen Sie sich. Das Gegenteil ist der Fall: Darüber zu lesen, was diese rundum sympathischen Menschen alles durchstehen, macht das Leben leichter!

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Meine Liebe stirbt nicht

Roberto Saviano: Meine Liebe stirbt nicht

Wenn man bedenkt, dass diesem erschütternden Liebesroman eine wahre Geschichte zugrunde liegt, nimmt einem die Lektüre fast den Atem. Es ist die Geschichte von Rossella Casini, die sich durch ihre Liebe zu Francesco in den Netzen der kalabrischen Mafia verfängt. Sie schreckt vor keiner Gefahr zurück, denn die Liebe macht sie mutig und stark. Doch der Preis, den sie dafür zahlt, ist hoch.

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Die Enthusiasten

Markus Orths: Die Enthusiasten

Höchste Zeit für ein lustiges Buch. Es handelt von lauter Menschen, die sich mit Feuer und Flamme einer bestimmten Sache verschrieben haben. Vincent Bär etwa, der Ich-Erzähler, ist in einer Familie groß geworden, in der sich alles um Bücher und Geschichten drehte. Dies bildet den Rahmen für unzählige Pointen, aberwitzige Einfälle und „Gags, Gags, Gags“. Dazu kommt eine spannende Jagd nach einem verschollenen Manuskript. Beste Unterhaltung für alle, die skurrile Figuren und Bücher lieben.

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Alle lieben Dandelion, aber sie ist schon tot

Rosie Storey: Alle lieben Dandelion, aber sie ist schon tot

Zum Schluss folgt ein Buch, das tragisch beginnt, doch voller Hoffnung ist. Es geht um geschwisterliche Liebe, die sogar den Tod überwinden kann. Dandelion, der Löwenzahn, ist vor gut einem halben Jahr gestorben, und Poppy, der Klatschmohn, ihre Schwester, trauert sehr um sie. Weil sie einmal im Leben so mutig sein will wie die Verstorbene, lässt sie sich auf ein Date ein und gibt sich als Dandelion aus. Dass das nicht gutgehen kann, ist klar… Sehr rührend!

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